postrot im diesseits

postrot im diesseits
Zwei junge Künstler*innen haben sich das Ziel gesetzt – über das klassische Schauspiel hinaus – verschiedenste künstlerische Ausdrucksmittel auf der Bühne zu verschmelzen. Denn in dieser komplexen Welt, die sich in so viele unübersichtliche Teilbereiche zerlegt, kann ihre Dekonstruktion und das Aufdecken von Widersprüchen nur durch experimentelle Kopplung mehrerer Ebenen geschehen. Mit einer Sound- und Textcollage, sowie Projektionen, werden Spannungsfelder und Fragen aufgeworfen, die wohl nicht zu einer besseren Welt führen, jedoch Zusammenhänge aufzeigen. 

Wie manch anderer vielleicht auch, ist „postrot im diesseits“ in dieser verunsicherten und turbulenten Welt, in der sich alles so rasant zu bewegen und weiterzuentwickeln scheint, dass es nicht mehr zu durchdringen ist, gestrandet. Trotzdem muss eine Kritik der Kultur immer eine Gegenkultur sein.

Alles bewegt sich? Wir verharren seit Jahrzehnten, bald Jahrhunderten und bilden uns ein, unser Kreisen um den Tag, um Öl, Land, um Kultur und Tradition sei die Kraft, die diese Welt zusammen hält. Wir rennen hinter ihr her und drehen uns – wie sie – um uns selbst bis wir bald zusammen untergehen. 

Wir verschließen unsere Augen vor dem Heute und bleiben blind für die Fehler der Vergangenheit. So betitelt der gemeine progressive Deutsche seine Crasphobie lieber als seine kollektive Freiheit und innere Sicherheit. Die eigene Geschichte wird ohnehin nur noch ins Felde geführt, um historische Dummheiten, die Reproduktion des selbsternannten christlichen Abendlandes oder irgendeines anderen dubiosen Kollektivs zu legitimieren. 

Der Kampf um diese Legitimierung der eigenen Existenz – dass alles bleibt, wie es ist – verliert sich in seiner eigenen Tristes.

„Kunst ist Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein.“ (Theodor W. Adorno)

Die Bestie der Demokratie 
Sound-/Textcollage
Das Ende der Zeit ist gekommen.
Die Vergangenheit hat gezeigt, wem die Zukunft gebührt. Der kulturelle Darvinismus führte zur Gegenwart. Wir haben gesiegt. Wir haben die Geschichte stets im Blick und haben aus der unseren gelernt.
Einzelne Ereignisse sind prägender als andere, das ist klar. Doch wir sollten uns nicht länger lähmen lassen. Wir sollten endlich wieder stolz sein auf das, was wir geschaffen haben.

„Wir leben Werte, die unser Land so stark gemacht haben. Und das ist der Respekt vor der Meinung des Anderen. Wir sind stolz darauf. Hass, Verachtung, das sind nicht die Mittel, mit denen man Andersdenkende klein macht. Wir setzen auf gute Argumente.”
Angela Merkel

Stolz auf was wir geschaffen haben?
Was haben wir denn geschaffen?
Und was ist überhaupt dieses „wir”?

Wir nehmen europapolitisch nicht nur eine Vorreiter-, sondern auch endlich wieder eine Vorbildfunktion ein. Durch unsere Demokratie ist uns möglich, gemeinsam das zu schaffen, was die Großzahl unserer europäischen Brüderstaaten verweigert: einen funktionierenden Rechtsstaat schaffen, diesen aufrecht erhalten, Rassismus bekämpfen und Pressefreiheit als unser höchstes Gut verteidigen. Kein Land ist dafür besser geeignet als das unsere. Die Weisheit unserer Geschichte trifft auf eine einzigartige Demokratie, für die wir uns bewusst entschieden haben und die wir gemeinsam stetig optimieren.

Vorbildfunktion – für wen?
Wer hat sich denn hier für die Demokratie entschieden?

Ein geteiltes Deutschland. Ohne Mauer.
Nationalismus verbindet.
„Amerika first!” – wie kann man sowas nur sagen?
Obergrenze. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Man muss die Ängste der Bürger ernst nehmen.
33 waren ganz andere Zeiten, da kam viel zusammen.
Im Moment kommt einfach viel zusammen. Das geht auch wieder vorbei. Die Banken sind schuld.
Heute gibt es keine Konzentrationslager mehr. Antisemitismus war früher einmal.
Lügenpresse brüllen und Flüchtlingsheime anzünden – wir sind geschockt. Sowas in unserer Demokratie. In unserem Deutschland.
Eine humane Ummantelung. Schützen oder verhüllen?
Grausamkeit und Rassismus juristisch verklausulieren. Ein nötiges Übel für eine sichere Zukunft?
Moderate Formulierungen mit Interpretationsspielräumen?